
JOHANNES, CA. 1948 · FAMILIENARCHIVDie Menschen, die den Nationalsozialismus selbst erlebt haben, sterben. Mit ihnen verschwinden die Stimmen, die Geschichte nicht als Jahreszahl erzählen, sondern als gelebte Entscheidung und als gelebtes Mitlaufen.
Diese Seite folgt einem einzigen Leben. Du gehst durch Johannes’ Jahre, hörst seine Worte, triffst seine Entscheidungen, und die Geschichte kommentiert, ordnet ein und widerspricht, wo Erinnerung und Dokument auseinandergehen.
„… ich möchte mit der Schilderung meiner Lebenserfahrungen im Dritten Reich dazu beitragen, dass die freiheitliche demokratische Grundordnung gestärkt wird und erhalten bleibt."Johannes ter Smitten, aus seinen Lebenserinnerungen
Johannes erlebte als Kind die „Machtergreifung“, als Jugendlicher den Krieg und kam mit 21 Jahren aus der Gefangenschaft zurück. Was er gesehen und getan hat, hat ihn sein Leben lang nicht losgelassen. 2025 ist er gestorben. Er war einer der Letzten, die aus eigener Erinnerung erzählen konnten.
Er hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, weil sie nicht mit ihm verschwinden sollte. Nicht um sich zu rechtfertigen, sondern um zu warnen: wie leise eine Diktatur beginnt und wie schwer es ist, sich ihr zu entziehen.
Diese Seite macht seine Aufzeichnungen für deine Generation zugänglich, nicht als Schulstoff, sondern als ehrliches Gespräch mit einem Zeitzeugen. Seine Stimme bleibt, auch wenn er es nicht mehr ist. Damit aus „nie wieder“ kein leerer Satz wird.
JOHANNES, 2022 · EINE DER LETZTEN AUFNAHMEN„Mein Vater wollte es so und damit Basta. Sein Wunsch war praktisch das Ende meiner unbeschwerten Kindheit."

Johannes wird in die junge Weimarer Republik hineingeboren, als Sohn eines Mannes, der den Ersten Weltkrieg und sechs Jahre französische Gefangenschaft nie verwunden hat. Seine frühe Kindheit verbringt er bei den Tanten in Emmerich am Niederrhein.
„Ich wurde am 7. Juni 1925 in Mülheim an der Ruhr geboren, zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg. Jahre, die meine Generation beeinflusst und geprägt haben."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen

Eine Kindheit voller Staunen: die ersten Autos auf den Straßen, die ersten Flugzeuge am Himmel. Mit fünf Jahren steht Johannes am Hafen und blickt auf das größte Flugboot der Welt.
„Ich war fünf Jahre alt, als Vater mich 1930 mitnahm zum Duisburger Hafen in Ruhrort, wo wir das damals größte flugfähige Wasserflugzeug, die Do X, besichtigt haben."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen

Mit sieben Jahren schickt der Vater, überzeugter Anhänger Hitlers, den Jungen zu den „Pimpfen". Eine schicke Uniform, ein rotes Halstuch, ein Gürtelschloss mit Reichsadler. Es ist der Anfang vom Ende der Kindheit.
„Für mich begann die nationalistische Ära schon im Alter von sieben Jahren, als mein Vater mir eines Tages im Sommer 1932 sagte: Geh zur Schule Arnoldstraße und melde dich … denn ich möchte, dass du dazugehörst."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Die „Pimpfe" bildeten die jüngste Stufe der nationalsozialistischen Jugendorganisation: das Deutsche Jungvolk für die 10- bis 14-jährigen Jungen, die Vorstufe der Hitlerjugend. Ziel war eine frühe vormilitärische Erziehung, die schon Kinder an Uniform, Befehl und Gehorsam gewöhnte.
Quelle: Bundesarchiv, NS-JugendorganisationZweimal die Woche Dienst. Was harmlos mit Spiel und Sport beginnt, wird zur Disziplinierung. Der Zwang, pünktlich zu erscheinen und zu gehorchen, nimmt dem Jungen die Freiheit, die er kannte.
„Meine ersten Erfahrungen in der HJ begannen harmlos mit Spiel und Sport, endeten jedoch in einer vormilitärischen Ausbildung."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Während Johannes zur Schule geht und Dienst tut, wird aus Ausgrenzung Gesetz. Die Nürnberger Gesetze von 1935 sprechen jüdischen Deutschen ihre Bürgerrechte ab. In der Pogromnacht im November 1938 brennen auch in Mülheim Geschäfte und das jüdische Gotteshaus. Für viele Kinder seiner Generation war das der alltägliche Hintergrund, den kaum jemand in Frage stellte. ◉Mülheim auf der Karte
„Wir Kinder wuchsen in eine Welt hinein, in der das alles normal schien. Niemand sagte uns, dass es Unrecht war."OriginalzitatJohannes ter Smitten: Die Lebensgeschichte von Johannes ter Smitten, S. 24.
Ab 1933 entrechtete das NS-Regime die jüdische Bevölkerung Schritt für Schritt. Die Nürnberger Gesetze von 1935 machten die Ausgrenzung zu staatlichem Recht. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden reichsweit Synagogen zerstört und Menschen ermordet. Daraus wurde im Zweiten Weltkrieg der organisierte Massenmord an rund sechs Millionen Juden, die Shoah.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, bpb.deFür mich begann alles harmlos: eine schicke Uniform, ein rotes Halstuch, Spiel und Sport mit den anderen Jungen.Lebenserinnerungen, S. 18.
Das Deutsche Jungvolk war keine harmlose Freizeit. Es sollte Kinder früh an Befehl und Gehorsam gewöhnen und sie ideologisch auf den Krieg vorbereiten.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, bpb.deDiese Seite urteilt nicht. Sie stellt nebeneinander, was sich erinnert und was sich belegen lässt.
Du bist sieben. Alle anderen Jungen gehen zu den Pimpfen.
Wie reagierst du auf den Wunsch des Vaters?
Eine echte Wahl gab es kaum. Wer nicht mitmachte, fiel auf und brachte die Familie in Gefahr.
Über 90 Prozent der Jungen eines Jahrgangs waren Mitglied der HJ.„Wir einfachen Soldaten wussten vom wahren Kriegsverlauf nur das, was unsere Offiziere uns gelegentlich mitteilten."
Johannes wächst in Mülheim an der Ruhr auf und wird vom Vater schon mit sieben Jahren zu den „Pimpfen" und später in die Hitlerjugend geschickt. Statt einer unbeschwerten Kindheit prägen ihn Uniform, Dienst und Gehorsam. Mit 17 beginnt nun sein Weg in den Krieg. Kapitel 01 noch einmal lesen







Über meinen Wehrdienst hatte ich mir bis dahin keine Gedanken gemacht. Kurz vor der Musterung? sagte mein Vater, ich solle mich bei der Waffen-SS? melden. Auf die Idee wäre ich allein nicht gekommen.
Bei der Musterung stellte sich heraus, dass ich Plattfüße hatte, untauglich für die Infanterie. Wegen meines Berufs trug man mich als Funker ein.
Die Musterung war die ärztliche Tauglichkeitsprüfung, mit der das Militär entschied, ob und wo ein junger Mann eingezogen wurde. Wer als „tauglich" galt, wurde einer Waffengattung zugeteilt; Johannes kam wegen seiner Plattfüße und seines Berufs nicht zur Infanterie, sondern zu den Funkern. Ein Funker bediente die Funkgeräte und hielt über Morsezeichen und Sprechfunk die Verbindung zwischen den Einheiten. Diese Rolle war kriegsentscheidend, weil ohne verlässliche Nachrichten kein Verband koordiniert handeln konnte. Johannes diente so mit Worten, nicht mit der Waffe.
Quelle: Bundesarchiv · Deutsches Historisches MuseumEine Woche vor meiner Abreise verunglückte mein Vater in der Lederfabrik Abel schwer. Ich musste mich schweren Herzens an seinem Krankenbett zum Kriegsdienst verabschieden.
Erste Station: eine Arbeitsdiensteinheit in Reisbach an der Saar. Nach 14 Tagen verlegte man uns in die Normandie, etwa 30 km östlich von Cherbourg, doch am Westwall gab es für unser Häuflein keine Arbeit mehr.
Seit 1935 war der Reichsarbeitsdienst für junge Männer verpflichtend. Offiziell ging es um Wege- und Feldarbeit, faktisch war er eine vormilitärische Erziehung zu Disziplin, Uniform und Gehorsam, die dem eigentlichen Wehrdienst vorausging.
Quelle: Bundesarchiv · „Geschichte und Geschehen", KlettNach wenigen Tagen zu Hause kam der Einberufungsbefehl zur Waffen-SS: melden in einer Nürnberger SS-Kaserne. Noch in derselben Nacht ein Marschbefehl nach Goslar, zur Funker-Ausbildungskompanie in einem Barackenlager vor der Stadt.
Sechs Wochen Grundausbildung auf den Wiesen an der Oker, dann die Funkausbildung. Die Aufgabe eines Funkers war die Verbindung zwischen den Einheiten, Worte statt Waffen.
Noch vor dem Ende der Grundausbildung entzündeten sich beide Kniegelenke, eine Operation wurde nötig. Ich kam ins Militärlazarett, das die Wehrmacht im besten Hotel der Stadt, dem „Achtermann", eingerichtet hatte.
Fast drei Monate, ein eigenes Zimmer, freie Bewegung in Goslar. Es war meine schönste Zeit während des Krieges, und die OP ein außerordentliches Glück. Denn meine Kameraden zog es unterdessen an die Front.
In Mörchingen in Lothringen wurde die 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS" zusammengestellt, um die schweren Verluste in Italien auszugleichen. Vor der Abreise kam noch ein letztes Päckchen aus der Heimat, danach wurden für die Waffen-SS keine Pakete mehr zugestellt.
Auf Güterzügen ging es über Baden bei Wien nach Ungarn, das sich von Hitler abzuwenden begann, dann weiter nach Laibach, dem heutigen Ljubljana.
Der bewaffnete Arm der SS kämpfte als militärischer Verband, war organisatorisch aber Teil der für die NS-Verbrechen verantwortlichen SS. Viele junge Männer wurden, wie Johannes, eingezogen oder gedrängt, ohne den verbrecherischen Charakter der Organisation zu durchschauen.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de)Über die Alpen nach Modena. Zweimal griffen uns Tiefflieger an; unsere Flak konnte sie abwehren. Nachts standen wir Funker in den offenen Dachluken, um den Fahrern auf den schmalen Passstraßen die Mitte zu weisen.
Trotz aller Vorsicht stürzte der Funkwagen vor uns an einer besonders unstabilen Böschung in die Tiefe. So nah war der Tod, und nie sah ich den Feind als Mensch.
Nach dem Krieg hielten mir Freunde oft vor: „Das hättet ihr von der Waffen-SS doch wissen müssen." Ich kann die Frage gut verstehen. Doch wer in Friedenszeiten und in einer Demokratie aufgewachsen ist, kann sich die Zwänge einer Diktatur kaum vorstellen.
„Meine jugendliche Begeisterung für Hitler und seine nationalistischen Ideen verflog vollends in amerikanischer Gefangenschaft."

Mit der Kapitulation seiner Einheit beginnt für den 19-Jährigen der Weg in die Gefangenschaft: zu Fuß quer durch die Alpen, bis amerikanische Truppen sie kurz vor Salzburg entwaffnen und unter freiem Himmel lagern lassen.
„Hier wurden wir von amerikanischen Truppen angehalten, entwaffnet und in kleine Gruppen aufgeteilt und mussten im Salzburgerland unter freiem Himmel lagern."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Millionen deutscher Soldaten gerieten in alliierte Kriegsgefangenschaft; Johannes' Einheit geriet in amerikanischen Gewahrsam.
Quelle: Bundesarchiv · Deutsches Historisches Museum
Die Amerikaner führten die gefangenen Offiziere in ein Außenlager des KZ Dachau und zeigten ihnen die Toten und die Filmaufnahmen aus den Vernichtungslagern. Im Lager trat die ganze Einheit an. Für Johannes brach in der Gefangenschaft zusammen, woran er als Kind geglaubt hatte.
„Im Kriegsgefangenenlager hatte ich Zeit, über Krieg und Niederlage nachzudenken. Inzwischen war ich 19 Jahre alt und hatte keine Vorstellung über meine Zukunft."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Nach der Befreiung der Lager führten die Alliierten deutsche Soldaten und die Zivilbevölkerung gezielt mit den Verbrechen der Konzentrations- und Vernichtungslager zusammen. In Lagern wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor wurden Millionen Menschen, vor allem Juden, systematisch ermordet. Diese Konfrontation war Teil der beginnenden Entnazifizierung.
Quelle: Deutsches Historisches Museum · KZ-Gedenkstätte Dachau
Der erste Winter in Gefangenschaft ist eiskalt, die Verpflegung kaum mehr als ein knappes Stück Brot und ein dünner Teller Suppe. Johannes magert stark ab und ist über Monate unterernährt. Dazu kommt eine Läuseplage, die ihn über Jahre begleitet. Dass er in amerikanische und nicht in sowjetische Gefangenschaft geriet, empfindet er später als großes Glück. Eine Erfahrung des Mangels, die ihn ein Leben lang prägt.
„Ich habe in dieser Zeit der Gefangenschaft ein Stück trockenes Brot schätzen gelernt und achte bis heute stets sorgsam darauf, dass kein Krümelchen verloren geht."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Nach der Kapitulation zog die Einheit mit dem gesamten Kriegsgerät zu Fuß quer durch die Alpen bis kurz vor Salzburg. Die Verpflegung war das größte Problem, denn mit dem Zusammenbruch Deutschlands mussten sich die Gefangenen selbst versorgen.
„Zum Glück für uns in der Gefangenschaft hatte sich auf unserem Weg durch die Alpen eine Kompanie rumänischer Artilleristen angeschlossen, die Pferde dabei hatten. Ihr Fleisch hat uns so lange ernährt, bis wir Anfang Juni nach Bayern in ein festes Lager an den Riegsee verlegt wurden."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Am Riegsee lagerten sie fast vier Wochen ohne jede Verpflegung unter freiem Himmel, sich selbst überlassen. Der Hunger wurde unerträglich.
„In meiner Not habe ich Kräuter und Wurzeln gesucht und alles gegessen, was ich für genießbar hielt. Das ging nicht immer gut und mehrmals rebellierte mein Magen."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Erst als Bauern das Rote Kreuz informierten, kam mittags ein Teller warmer Milch mit zerbröseltem Schwarzbrot. Schweizer Ärzte untersuchten die Gefangenen und stellten sie auf die Waage.
„Ich wog noch 55 Kg statt meinem Normalgewicht von 75 Kg."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Im Sommer 1946 wird Johannes aus dem Entlassungslager Ingolstadt entlassen, am Tor besprüht ihn ein GI ein letztes Mal mit DDT gegen die Läuse. Mit dem Zug kehrt er heim. Die Familie hat überlebt, das Haus steht, doch die Mülheimer Innenstadt ist fast völlig zerstört.
„…kam abends nach fast 4 Jahren Abwesenheit gesund zu Hause in mein Elternhaus nach Mülheim-Ruhr zurück. Die Freude war allseits groß, meine Familie hatte den Krieg mager, aber gesund überstanden und unser Haus stand auch noch."OriginalzitatJohannes ter Smitten, Lebenserinnerungen
Die ersten Monate in amerikanischer Kriegsgefangenschaft waren für viele bedrückend: enge Lager, Kälte, Hunger und die quälende Ungewissheit, wann und ob man heimkehren würde. Johannes erinnert sich an den eisigen Winter, das knappe Brot und die langen Tage des Wartens. Diese Erfahrung des Mangels prägte ihn ein Leben lang.
Quelle: Lebenserinnerungen, S. 188 f. · Deutsches Historisches MuseumWer in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet, hatte deutlich geringere Überlebenschancen. In den Lagern im Osten starb ein großer Teil der Gefangenen an Hunger, Kälte, Seuchen und Zwangsarbeit, viele kehrten erst nach Jahren oder nie zurück. In amerikanischem Gewahrsam waren die Bedingungen hart, aber Johannes überlebte und konnte schon 1946 heimkehren. Dass er nicht in den Osten kam, empfand er zeitlebens als großes Glück.
Quelle: Bundesarchiv · Deutsches Historisches MuseumHunger und Ungeziefer gehörten zum Alltag in den Lagern. Johannes war über Monate unterernährt und litt jahrelang unter einer Läuseplage, die sich in den engen Unterkünften kaum bekämpfen ließ. Erst bei der Entlassung wurde er am Lagertor ein letztes Mal mit dem Insektizid DDT eingepudert. Solche körperlichen Entbehrungen gehören zur ehrlichen Erinnerung an diese Zeit, auch wenn man nicht gern darüber spricht.
Quelle: Lebenserinnerungen · Deutsches Historisches MuseumIm Kriegsgefangenenlager hatte ich Zeit, über Krieg und Niederlage nachzudenken. Meine Begeisterung für Hitler verflog vollends.Lebenserinnerungen, S. 190.
Die Alliierten zeigten Gefangenen Filme und Fotos aus den befreiten Lagern. Für viele begann hier das Wissen um die Verbrechen, das im Krieg verdrängt oder nicht zugelassen worden war.
Quelle: Deutsches Historisches Museum · KZ-Gedenkstätte DachauDiese Seite urteilt nicht. Sie stellt nebeneinander, was sich erinnert und was sich belegen lässt.
Du bist 19 und siehst zum ersten Mal, was geschehen ist.
Wie gehst du nach der Heimkehr mit diesem Wissen um?
Erst spät, als alter Mann, schrieb Johannes seine Erinnerungen auf. Er wollte, dass junge Menschen verstehen, wie eine Diktatur funktioniert.
Mit fast 99 Jahren gab er seine Geschichte weiter, damit die Demokratie gestärkt wird.Mit der Heimkehr 1946 endet diese Lebensgeschichte, und ein neues, ziviles Leben beginnt. Johannes ter Smitten wird 99 Jahre alt und hinterlässt seine Erinnerungen, damit „die freiheitliche demokratische Grundordnung gestärkt wird und erhalten bleibt."

Johannes' persönliche Stationen, die große Zeitgeschichte und die Judenverfolgung auf einem Zeitstrahl. Zieh dich von 1925 bis 1946 nach rechts.
Von den Lagern haben wir nichts gewusst. Wir waren Soldaten, wir taten unseren Dienst, die Politik war weit weg.Memoiren, Entwurf · O-Ton J. ter Smitten
Ab 1941/42 berichteten Feldpost, Fronturlauber und Wehrmachtsbefehle in Teilen über Erschießungen und Deportationen im Osten. „Nichts gewusst" und „nichts wissen wollen" sind historisch nicht dasselbe.
Quelle: H. Welzer, „Opa war kein Nazi" (2002)Diese Seite urteilt nicht. Sie stellt nebeneinander, was sich erinnert, und was sich belegen lässt.
Versetze dich in Johannes' Lage. Lies kurz die Situation, wähle dann A oder B. Danach siehst du, was er wirklich getan hat. Es gibt kein richtig oder falsch, nur das Nachdenken zählt.
Du wirst zum Arbeitsdienst eingezogen.
Im „Dritten Reich" musste fast jeder junge Mann zum Reichsarbeitsdienst. Wer sich weigerte, machte sich und seine Familie verdächtig. Eine echte Wahl gab es kaum. Die Frage ist nur: Wie gehst du da hinein?
Johannes erinnert sich an keine Entscheidung. Man wurde gerufen, also ging man. Genau das ist das Erschreckende: Das System brauchte keine überzeugten Täter. Es genügten junge Menschen, die nicht fragten.
Über 90 von 100 jungen Männern eines Jahrgangs durchliefen den Arbeitsdienst.Du schreibst eine Karte nach Hause. Was schreibst du?
Du hast Angst und bist erschöpft. Jede Feldpostkarte wird vom Militär kontrolliert. Deine Mutter wird die Karte immer wieder lesen. Sagst du die Wahrheit, oder beruhigst du sie?
Wie fast alle wählte Johannes die Beruhigung, aus Liebe, aus Vorsicht, aus Gewohnheit. So entstand millionenfach ein heiles, falsches Bild vom Krieg.
Zwischen 1939 und 1945 liefen rund 30 bis 40 Milliarden Feldpostsendungen.Drei kleine Spiele festigen, was du gesehen hast, und bringen dich im Profil eine Stufe weiter.
Ordne jedes Archivbild seinem Kontext zu. So prägst du dir Johannes’ Stationen ein.
Du hast jedes Archivbild seinem Kontext zugeordnet.
Bringe die Stationen aus Johannes’ Kriegsjahren in die richtige Reihenfolge, von früh nach spät.
Du kennst den Verlauf von Johannes’ Kriegsjahren.
Drei Fragen zum Verstehen, mit Erklärung nach jeder Antwort.
Wahr oder falsch? Acht Aussagen über Johannes’ Leben, wische dich durch, jede mit Quelle.
Quellenfeste Antworten, alles aus den Lebenserinnerungen.
Kein Wettbewerb, sondern ein Moment für dich. Lies die Frage, halte kurz inne und schreibe deine Gedanken auf.
Was empfindest du bei dem Satz „Man tat, was man tat, weil alle es taten"?
Was empfindest du bei dem Satz „Man tat, was man tat, weil alle es taten"?
Wo gehen Menschen heute „mit", ohne zu fragen?
Warum schrieb Johannes beruhigende Briefe? Hättest du es anders gemacht?
Alle wichtigen Begriffe zur Zeit des Nationalsozialismus und zu Johannes' Geschichte. Tippe auf einen Begriff, um die Erklärung zu sehen.
Antworten stammen nur aus Johannes’ Lebenserinnerungen. Was nicht belegt ist, sagt er. Jede Antwort nennt ihre Quelle.
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